Mittwoch, 30. Januar 2019

Können wir einen Germanischen Bärenhund kaufen?


Können wir einen

Viele Hundeliebhaber sind geneigt, diese Frage allzu schnell und ohne intensive Gewissenserforschung zu bejahen. Gründe für den Kauf werden vielfach genannt. Der Germanische Bärenhund soll Haus und Hof bewachen und beschützen, ohne dabei ein Beißer zu sein.
Groß und mächtig, scheint er das ideale Statussymbol darzustellen. Da er überall als besonders kinderlieb beschrieben wird, soll er zu Weihnachten den Kindern unter den Tannenbaum gelegt werden.
Diese und ähnliche Gründe zeigen, dass die wesentlichen Charaktereigenschaften des Germanischen Bärenhundes richtig erkannt sind.
Ob diese vererbten Charaktereigenschaften voll zur Entfaltung kommen, hängt aber entscheidend von der Haltung ab.
Ein Kauf ist eine einmalige Angelegenheit, die artgerechte Haltung erstreckt sich aber über das ganze Leben des Hundes. Im Allgemeinen lebt ein
Germanischer Bärenhund 10 bis 12 Jahre.
 






Jeder Liebhaber unserer Rasse sollte die folgenden Überlegungen gründlich durchlesen, die dort aufgezeigten Möglichkeiten der Haltung mit den eigenen häuslichen Gegebenheiten vergleichen und dann erst die Entscheidung über Kauf oder Nichtkauf eines Germanischen Bärenhundes im Kreise seiner Familie treffen.


Der Germanische Bärenhund in der Etagenwohnung

Es gibt einen Richtsatz, der lautet:“ Je größer der Hund, desto weniger ist er geeignet, in einer Etagenwohnung gehalten zu werden.“ Man kann aber nicht alle Etagenwohnungen über einen Kamm scheren und durchweg ablehnen. Die auf der ersten Etage gelegene Wohnung eines Zweifamilienhauses mit großem Balkon ist anders zu bewerten als die im achten Stockwerk eines Hochhauses ohne Balkon, die zudem normalerweise nur mit dem Aufzug zu erreichen ist. Entscheidend ist in jedem Fall nicht so sehr die Größe der Wohnung, sondern die Größe und Beschaffenheit des dem Hund zugeteilten Raumes, in dem er für sich sein kann, der sein engstes Revier ist.
Der Germanische Bärenhund ist zwar, was seinen Bewegungsdrang angeht, nicht mit dem Husky oder Setter zu vergleichen, doch täglicher Auslauf muss auch ihm geboten werden, schon allein um seine Verdauung zu regulieren und um auf einem Spaziergang alle für einen Hund so wichtigen Gerüche des nächsten Laternenpfahls oder einer bestimmten Stelle der nachbarlichen Hauswand aufnehmen zu können. Hier könnten  in einer Stadtwohnung aber schon die ersten Schwierigkeiten auftreten.
Viele Stadtverwaltungen machen es dem Hundehalter zur Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass Kot auf Bürgersteigen, Straßen, Spielplätzen, aber auch aus Vorgärten unverzüglich durch den Hundehalter zu entfernen ist. Empfindliche Geldbußen können bei Nichteinhaltung die Folge sein. Verantwortungsbewussten Haltern ist diese Beseitigung des Hundekotes eine Selbstverständlichkeit.
Doch zurück zu dem Problem, einen Germanischen Bärenhund in einer Etagenwohnung halten zu wollen.




Denken Sie daran, den Hund als Welpen zu sich zu nehmen, so sollte man vor ständigem Treppensteigen warnen. Das Hinaufsteigen ist dabei nicht so gefährlich wie das Hinabsteigen, bei dem das ganze Körpergewicht auf den noch schwachen, unfertigen Vorderbeinen ruht. Häufig ist das Treppensteigen die Ursache für Zerrungen der Bänder und Muskeln der Vorderläufe, aber auch für mögliche Deformierungen oder Brüche der Knochen an den Vorderläufen.
Möglicherweise sagen Sie jetzt: “Dann tragen wir ihn halt.“ Das wird zweifellos eine Weile durchgeführt, doch der Welpe wird immer schwerer, bald so schwer, dass schwächere Personen damit überfordert sind, den Hund mehrere Treppen hinauf- bzw. hinuntertragen zu müssen.
Der vom Charakter her sehr ruhige und meist bedächtige Germanische Bärenhund vermag sich ebenso überschwänglich zu freuen, wenn die Familienangehörigen von ihrer täglichen Arbeit nach Hause kommen, wie andere Rassen, nur ist seine Stimme schon im Jugendalter tief und mächtig. Nicht allen Nachbarn gefällt es, wenn der Hund sich über die Heimkehr seiner Rudelgenossen lauthals freut, oder wenn er, auch wenn er kein Kläffer ist, jeden Fremden, der sich im Korridor aufhält, meldet.

Erkundigen Sie sich in jedem Fall beim Vermieter, ob eine Hundehaltung in den von Ihnen gemieteten Räumen gestattet ist. Die Genehmigung lassen Sie sich immer schriftlich geben, sofern nicht schon der Mietvertrag diesbezüglich eindeutig Auskunft gibt.


 Der Germanische Bärenhund in Haus und Garten

Ungleich günstiger trifft es der Welpe, der nun ein neues Zuhause findet, das neben einer Parterrewohnung oder einem Haus einen Garten aufweisen kann. Hier bekommt der Welpe einmal die Möglichkeit, in engem Kontakt mit den menschlichen Rudelgenossen zu leben, zum anderen kann er bei Bedarf im Freien seinem Bewegungsdrang nachgeben, was nicht bedeuten soll, dass ein Garten einen Ersatz für die täglichen Spaziergänge darstellt.

   Da die Züchter ihre Zuchttiere samt Nachwuchs in der Regel im Freien halten, nicht aber im Haus, ist gerade dem Junghundalter entwachsenem Hund die Umstellung auf die neue Heimat zu erleichtern, indem er tagtäglich Gelegenheit hat, einen Schutzraum im Freien aufzusuchen. Für unsere langhaarigen Hunde bedeutet die Zimmertemperatur, die wir als wohlig empfinden, meist schon zuviel des Guten. Sie suchen kühlere Plätze auf, z.B. kühle Steintreppen. Im Garten ist dies zweifellos einfacher als in der Wohnung.
Wenn der ausgewachsene Germanische Bärenhund ruhig, man könnte auch sagen gemütlich, ist und er keine stundenlangen Sporteilagen braucht, so benötigt er doch, gerade im jungen Alter ausreichend Bewegung.



Im Garten findet er Platz, um seinem Taten- und Forschungsdrang freien Lauf lassen zu können. Hier teilt er sich seine Ruhe- und Betätigungsphase selbst ein. Im freien Spiel wird er sich nie derart überfordern, dass gesundheitliche Schäden zu befürchten sind, was wiederum bei übermäßig langen Sporteinlagen der Fall sein könnte.
Ein Problem stellt sich allerdings sehr schnell ein: Wenn Sie Ihren Hund nicht ganz konsequent beibringen, dass zum Harnlassen und Kotsetzen nur die von Ihnen bereitgestellte Ecke  benutzt werden darf, bietet Ihr Garten bald ein Bild der Verwahrlosung. Braune Flecken auf dem Rasen, abgefressene Blumen und Sträucher geben Zeugnis von einem Hund, der einen Garten besitzt, nicht aber von einem wohlerzogenen Hund, der den gemeinsamen Garten mitbenutzen darf.
So wie Sie selbst in heißen Sommermonaten Schatten suchen, so ist es den Germanischen Bärenhund unerlässlich, sich den Sonnenstrahlen zeitweise entziehen und schattige, kühle Plätze aufsuchen zu können.  Soll Ihr Hund tagsüber im Garten leben und nur nachts im Haus liegen, so muss im Garten immer frisches Wasser in ausreichender Menge vorhanden sein.

Der Wasserbehälter muss so konstruiert bzw. so befestigt werden, dass er vom Hund nicht umgestoßen werden kann.
Dass bei Frost das Wasser öfter erneuert werden sollte, wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.


Der Germanische Bärenhund im Zwinger oder Freigehege

Diese Form der Haltung ist wohl häufig zu finden. Sie darf jedoch nicht so verstanden werden, dass dem Germanischen Bärenhund der für seine Wesensentwicklung so wichtige und für seine allgemeine psychische Gesundheit so notwendige Kontakt zur Familie, aber auch zu anderen Menschen und Tieren genommen wird. Zudem sollte jeder Germanische Bärenhund auch die Wohnung seines Herrn betreten dürfen und sich darin auskennen.
Ein Zwinger sollte aus einer überdachten, gut gegen Nässe und Feuchtigkeit geschützten Hütte und einem Auslauf bestehen, der gegen die Sonne auch Schatten bieten muss. Mindestanforderungen wurden 1974 in Deutschland sogar durch eine Rechtsverordnung zum Tierschutzgesetz vorgegeben.
Die hier gezeigten Bauanleitungen gehen über diese Mindestanforderungen hinaus, bedeuten aber keineswegs, dass sie ein Optimum darstellen. Von dem zur Verfügung stehenden Platz und der Bereitstellung geldlicher, aber auch zeitlicher Mittel hängt zweifellos die Qualität des Zwingers für Ihren Germanischen Bärenhund ab.
Gut wäre es, wenn er so angelegt werden könnte, dass die Nord- und Westseite durch eine Gebäudewand oder sonstige stabile, in jedem Falle zugfreie Rückwände vor Wind und Regen abgeschirmt werden.
Sollte dies aus baulichen Gründen nicht möglich sein, kann der Zwinger auch vollständig frei im Garten stehen, natürlich auch hier mit einer Schutzwand versehen.
Ganz gleich, wo auf dem Grundstück der Zwinger steht, wichtig ist, dass wir den Hund dort sehen können. Genauso wichtig ist, soll der Germanische Bärenhund vom Zwinger aus Haus und Hof bewachen, dass er den Eingang des Hauses überblicken kann.
Über den idealen Bodenbelag des Zwingers gibt es verschiedene Meinungen.
Viel hängt davon ab, wie oft und wie lange Ihr Hund täglich im Zwinger ist.
Weißer Quarzsand bringt den Vorteil, dass der Hund meist sauber ist. Hierzu muss aber eine feste Unterlage (Z.B. Beton) geschaffen werden, damit Ihr Hund, besonders im Jugendalter, nicht den Lehmboden nach oben buddelt und so den Quarzsand verschmutzt.
Ideal wäre gewachsener Grasboden auf lehmigen Untergrund, wenn die Hunde nicht immer dieselben Trampelpfade benutzen und in Nässeperioden den Grasboden somit schnell in eine Schlammwüste verwandeln würden. Bei einem entsprechend großen Zwinger mag dann noch genügend ordentliche Grasfläche übrigbleiben.
Wenn Sie nur Beton- oder Pflasterboden zur Verfügung haben, sollte ein Teil desselben mit einem zusätzlichen Holzboden überdeckt werden. Besonders im Winter ist der Betonboden zu kalt, und Blasen- und Nierenerkrankungen könnten die Folge sein. Bei Hündinnen kann dieser zu kalte Boden zu Scheiden- und Gebärmutterentzündungen führen.
Natürlich lässt sich ein Beton- und Pflasterboden leichter reinigen als die anderen Böden, jedoch sollte schon bei der Planung die Gesundheit des Hundes in allen Punkten Vorrang vor der bequemeren Pflege haben.
Da Betonboden aber auch den Vorteil bringt, dass sich der Hund besser seine Krallen abschleift als auf allen anderen Böden, bestände der ideale Zwinger aus der Summe aller Böden, wobei folgende Reihenfolge empfohlen wird:
Unter der Hütte und drum herum sollte Beton- und/oder Pflasterboden sein, dann Grasboden und als Abschluss Sandboden, weil sich in dieser, dem Schlafplatz des Hundes am weitesten entfernten Ecke der Hund immer hinhocken wird, um sich zu lösen.



Sind Sie nach intensiven Überlegungen und Diskussionen innerhalb Ihrer Familie immer noch der Meinung, es müsse ein Germanischer Bärenhund sein?
Sind Sie dazu bereit, auf viele Annehmlichkeiten in den nächsten Jahren zu verzichten und haben sich überlegt, was Sie im Urlaub mit Ihrem Hund machen?
Sie wissen, dass ihm jede Trennung seelische Schmerzen bereitet?
Wenn Sie nun alle Fragen und Einwände positiv beantworten konnten, gehören Sie zum Kreis der ernsthaften Kaufinteressenten.

Dienstag, 8. Januar 2019

Überlebende- Die Rückkehr der Pyrenäenberghunde

Die einzigen Zonen, in denen der Patou Ende des 20. Jahrhunderts seine traditionelle Rolle spielte, waren die hohen Täler, aus denen die letzten Bären noch nicht verschwunden waren und wo es noch die Tradition der Zucht von Milchlämmern und der Käseherstellung gab.


Im hohen Tal von Aspe konnte man den Patou noch beobachten, wie er morgens die Herde begleitete und abends für das Melken zurückbrachte. Die Herde verbrachte den ganzen Weg nur unter der Aufsicht des Hundes.
Die Spaziergänger mussten vorsichtig sein, wenn sie dem Hund oder seiner Herde zu nah kamen.




Seit einigen Jahren, inzwischen Jahrzehnten, ist der Trend in Frankreich zu beobachten, die Hunde wieder bei den Herden einzusetzen, um ein Verschwinden der Rasse zu vermeiden. Langsam hat dieser Trend auch Zonen in den Pyrenäen erreicht, in denen der Patou zusammen mit den Raubtieren verschwunden war.
Seit 1990 beobachtet man die Wiedereingliederung in eingezäunten Gebieten im Mittelgebirge.


In Deutschland erfreut sich der Pyrenäenberghund als Familienbegleiter seit Jahren wachsender Beliebtheit.

Dazu beschert die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland dem Patou, auch außerhalb Frankreichs, eine Renaissance in seinem ursprünglichen Aufgabengebiet; dem Schutz der Herde.

Von einem Verschwinden der Rasse kann inzwischen keine Rede mehr sein!